Hintergrund-
bildinfo

Winterfeuer 2022 - Stand von Profil Plus

Die 2. Chance - Einblicke in die Arbeit

Die Problemlagen der jungen Menschen in der 2. Chance sind in der Regel sehr komplex. Schulmüdigkeit ist oft ein Merkmal/ Symptom, das auf die schwierige Situation der Schüler*innen hinweist. Häufig ist es notwendig weitere Fachkräfte und Hilfen miteinzubeziehen. Im Folgenden möchten wir die Entwicklung eines Jungen vorstellen, der einen förderlichen Weg eingeschlagen hat.

Sajjad, ein 15-jähriger Junge, sitzt beim Praktikumsbesuch zurechtgemacht und mit Hemd am großen Konferenztisch einer IT-Firma neben seinem Praktikumsanleiter. Der Jugendliche wirkt wie ein Teil des Betriebes und scheint sehr zufrieden. Der Anleiter berichtet, dass Sajjad einen virtuellen Onlineshop programmiert und dafür auch englische Texte übersetzt. Und obwohl es sich erst um ein Schulpraktikum der 9. Klasse handelt, wird Sajjad ein Ausbildungsplatz in Aussicht gestellt.

Begonnen hat der Prozess in der 2. Chance für Sajjad mit vielen kreativen Ideen. Die Schauspielerei, Fotografie oder das Drehbuchschreiben interessierten ihn. Daneben waren Schlafstörungen, hohe Fehlzeiten, eine Klassenwiederholung, schlechte Noten, Konzentrationsschwierigkeiten und die Prognose am Ende der Schulzeit ohne Schulabschluss zu bleiben. Zuversichtlich stimmte die Einsicht, dass ihm ein Schulabschluss im Grunde wichtig ist.

Sajjad schaffte es morgens nicht aus dem Bett und er konnte die nötige Energie fürs Lernen nicht aufbringen. Für den Seminartag aber interessierte er sich. Dort wurde gemeinsam gegessen, wurden Rap-Texte verfasst und Theaterworkshops durchgeführt. Sajjad war ganz dabei und wirkte zufrieden.

Umso überraschender war es dann, dass er zum neuen Schuljahr beschloss, er wolle nicht mehr an den Seminartagen teilnehmen. Er wollte keinen Unterrichtstoff mehr verpassen. Fortan veränderte sich sein Lernprozess. Er war deutlich wacher für schulische Angelegenheiten, lernte für Arbeiten selbstständig und forderte auch Nachhilfe ein. Mit dem Ergebnis, dass sein Zeugnis ein deutlich besseres war. In diese Zeit fiel auch das oben beschriebene Praktikum.

Auf die Frage hin, ob er jetzt größere Abstände zwischen den Gesprächen in der 2. Chance wolle, verneinte er. Es motiviere ihn.

Dann setzte die 2. Welle der Coronapandemie ein, was ihn ein ganzes Stück aus der Bahn warf. Er fiel in alte Verhaltensweisen zurück, nahm wenig am Onlineunterricht teil und fehlte im Anschluss viel.

Letztlich gelang es ihm aber in der 10. Klasse zu seiner alten Form zurückzufinden und den Realschulabschluss zu erreichen.

Inzwischen hat er sich die allgemeine Hochschulreife zum Ziel gesetzt. Erst die Fachhochschulreife und dann weiter. Warum er unbedingt das Abitur wolle, konnte er noch nicht sagen. Sicher wird er es wissen, wenn es soweit ist.

Mehr Infos zum Projekt